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Vision 2020: für eine saubere Zukunft

Einweihung des HTA Hupac Terminal Antwerp
Antwerpen, 26. Januar 2010

 

Hans-Jörg Bertschi, Präsident des Verwaltungsrats der Hupac AG

Meine sehr verehrten Damen und Herren

Ich begrüsse Sie herzlich zur Einweihung unseres neuen HTA Hupac Terminal Antwerp. Draussen ist es ein GRAUER, frostiger Tag, aber hier in diesem Festzelt feiern wir die Fertigstellung eines neuen Bausteins für das Konzept der “GRÜNEN Logistik”. “Grüne Logistik” – ein Thema, das uns in Zukunft immer mehr beschäftigen wird:

  • Für zahlreiche Unternehmen sind CO2-Emissionen bereits heute ein bedeutender Kostenfaktor, und man kann davon ausgehen, dass die Kosten für CO2-Emissionen weiter steigen.
  • Energie wird künftig knapp und teuer. Wer Energie spart, senkt Kosten und Emissionen. Gerade beim Thema Energie setzt sich die Erkenntnis durch, dass Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit kein Zielkonflikt sind.
  • Auch der Staat wird künftig vermehrt bei Umweltthemen regulativ eingreifen. Es gilt, die Zukunft unserer Gesellschaft zu sichern.
  • Das Umweltbewusstsein der Kunden steigt und wird aller Voraussicht nach weiter zunehmen. Umweltschutz ist für viele Unternehmen, auch für Transportunternehmen, bereits heute ein wichtiger Wettbewerbsfaktor.
  • Ganz allgemein gilt: Umweltthemen stiften Sinn und Identifikation. Sie werden mehr und mehr zum Kitt, welcher die Mitarbeiter in den Unternehmen und die Gesellschaft als Ganzes zusammenhält.


Kein Wunder, dass immer mehr Unternehmen umdenken. Sie suchen nach Wegen, um dem Anspruch der Umweltverträglichkeit gerecht zu werden. Das Konzept der “Grünen Logistik” setzt einen wichtigen Rahmen dafür. Dessen zentrale Massnahmen - Auslastungsoptimierung, Bündelung, Tourenoptimierung, Verkehrsverlagerung – sind seit jeher entscheidende Komponenten des kombinierten Verkehrs. Hupac fährt möglichst hohe Volumen auf möglichst gut ausgelasteten Zügen zwischen möglichst zentral gelegenen Terminals umweltfreundlich auf der Schiene. Als Hupac vor über 40 Jahren in der Schweiz gegründet wurde, war nicht GRÜN das Problem, sondern WEISS, in Form von Schnee, der jeden Winter monatelang den Güterverkehr behinderte. Die Idee, LKW-Einheiten mit der Bahn über die Alpen zu befördern, war damals richtungsweisend und ist es heute noch immer. 2009 beförderte Hupac rund 607.000 Strassensendungen auf Hunderten von Relationen quer durch Europa und sparte dabei 700.000 Tonnen CO2 sowie 8,5 Milliarden Megajoule Energie gegenüber dem reinen Strassentransport ein. An dieser Stelle danke ich unseren Kunden für das entgegengebrachte Vertrauen und lade sie ein, das Konzept der Grünen Logistik durch noch höhere Volumen auf noch besser ausgelasteten Zügen zu noch grösserem Erfolg zu bringen.

Zweifler unter Ihnen mögen Grüne Logistik für eine billige Massnahme zur Image- Aufpolierung halten. Nun, sie ist es nicht. Trotz Wirtschaftskrise bleibt das Thema aktuell, für viele Unternehmen gewinnt es sogar noch an Bedeutung. Der HTA Hupac Terminal Antwerp ist ein Beispiel dafür. Die Anlage ist von strategischer Bedeutung für die weitere Entwicklung unseres Netzwerks. Die Baukosten in Höhe von 22 Millionen Euro sind eine bewusst kalkulierte Investition in die Zukunft.

Im Zeitraum von 2005 bis 2010 hat Hupac über 190 Millionen Euro investiert: für den Bau des HTA, für den ebenfalls in Antwerpen gelegenen Terminal Combinant in Zusammenarbeit mit BASF und IFB, welcher in wenigen Monaten in Betrieb gehen wird, für den Ausbau des Terminals Busto Arsizio, die Beschaffung von modernem Rollmaterial und die Weiterentwicklung des Netzwerks.

Selbstverständlich ist die Krise auch an Hupac nicht spurlos vorbei gegangen.  Erstmals in unserer über vierzigjährigen Geschichte verzeichneten wir einen zweistelligen Verkehrsrückgang von minus 13,5 Prozent. Dennoch können wir mit dem erzielten Ergebnis zufrieden sein:

  • Erstens stabilisierte sich die Entwicklung relativ schnell, und seit einigen Monaten zeigt die Kurve steil nach oben.
  • Zweitens sind wir im Vergleich zu anderen Transportsparten und anderen Unternehmen glimpflich davon gekommen.
  • Drittens reagierte Hupac schnell und führte mit der notwendigen Energie die notwendigen Massnahmen durch: Konsolidierung des Netzwerks, Kostenreduktion, Konjunkturmassnahmen für den Markt.
  • Und viertens sind wir heute stärker als zuvor: Wir haben die strategischen Investitionen weitergeführt, wir überarbeiten unsere Prozesse, wir sind trotz Krise in neue Märkte vorgestossen.


Hupac ist heute der führende intermodale Anbieter für Europa. Italien, Spanien, Portugal, Polen, Russland, Rumänien, Deutschland, Schweiz. Österreich und Skandinavien – der Markt kann auf ein dichtes Netzwerk an intermodalen Verbindungen zählen. Ein Netz, das sich zudem in ständiger Entwicklung befindet. Demnächst werden wir neue Verbindungen zwischen Antwerpen und Verona sowie zwischen Rotterdam und Verona auflegen. In Rumänien steuern wir das Wirtschaftsgebiet Ploiesti an, wir werden Spanien mit Italien über die Roulte Barcelona – Busto Arsizio erschliessen, und im alpenquerenden Verkehr durch die Schweiz startet bereits im Februar eine Verbindung für 4-Meter-Transporte zwischen Köln und Novara.

Sie sehen es, meine Damen und Herren, Hupac bewegt sich vorwärts, und Hupac zeigt dem Markt neue Perspektiven gemäss einer klaren Strategie auf. We have a dream: Im Jahr 2020 haben alle langen Distanzen in Europa auf die Schiene gefunden. Drei Voraussetzungen braucht es dafür:

  • Europaweit mehr Investitionen in Bahninfrastruktur
  • Echter Wettbewerb in den Bahnmärkten
  • Faire Wettbewerbsbedingungen zwischen Strasse und Schiene

Heute freuen wir uns über die Einweihung einer neuen Infrastruktur für den kombinierten Verkehr. Mit dem HTA Hupac Terminal Antwerp verfügen wir über neue Kapazitäten für die Verlagerung des Güterverkehrs von der Strasse auf die Schiene. Auf der Anlage, die wir später besuchen werden, können pro Tag bis zu zwölf Zugpaare abgewickelt werden, was einer Verladekapazität von 600 Strassensendungen pro Tag entspricht. In der Startphase bedient der HTA fünf Zugpaare pro Tag mit Destination Basel/Aarau und Busto Arsizio. Mein ausdrücklicher Dank geht an die Hafenbehörde, welche die Weichen für die neue Infrastruktur gestellt hat, sowie an DP World, welche das Projekt massgeblich unterstützt hat.

Wir haben es vorhin bereits auf der Timeline gesehen: Antwerpen ist heute ein zentraler Knotenpunkt im Shuttle Net der Hupac. Jeden Tag rollen acht Züge vom Hafengebiet ins Hinterland: Nach Italien und in die Schweiz, nach Südfrankreich und weiter nach Spanien sowie nach Deutschland und weiter nach Polen und Russland. Der HTA und zukünftig der Combinant Terminal schaffen Raum für die weitere Entwicklung des intermodalen Verkehrs. In zahlreichen Wirtschaftsräumen jedoch schränken ungenügende Terminal- und Schieneninfrastrukturen die Chancen des kombinierten Verkehrs stark ein. Ohne Terminals kein intermodaler Verkehr!

Ebenso wichtig sind jedoch auch die Bedingungen, zu denen die Unternehmen die vorhandenen Infrastrukturen nutzen können. Wettbewerb bringt Dynamik in die Bahnwelt. Konkurrenz ermöglicht attraktive Angebote, welche die Transportbranche von der Stärke des kombinierten Verkehrs überzeugen. Wir brauchen Bahnen, die den Wettbewerb untereinander nicht scheuen und somit im Wettbewerb mit der Strasse erfolgreich bestehen. Schnelligkeit, Flexibilität, Kundenorientierung – die Bahnen können und müssen besser werden, wenn sie den Trend zur Grünen Logistik nicht verschlafen wollen.

Hupac unterstützte seit Anfang an die Marktöffnung. Wir sind frei in der Wahl unserer Bahnpartner, wir verfügen über eigene Bahnlizenzen, und wir haben vor einigen Jahren das Konzept der durchgehenden Traktionsverantwortung von der Quelle bis zum Ziel umgesetzt. Mit der Eröffnung des HTA Hupac Terminal Antwerp setzen wir einen weiteren Meilenstein: In unserem Terminal sind prinzipiell alle Bahnunternehmen willkommen, eine wichtige Voraussetzung für die Marktöffnung. Denn wir wollen gemeinsam wachsen: mit unseren Kunden und mit unseren Bahnpartnern, gemäss unserem Motto “Moving together”.

Im Umfeld unseres neuen Terminals sind jedoch noch einige Wünsche offen. Wir verfügen über die erforderlichen Kapazitäten, wir bündeln den Maritimverkehr mit dem Kontinentalverkehr der im Hafengebiet ansässigen Industrien, wir bieten allen Bahnunternehmen freien Zugang. Handlungsbedarf sehen wir in einigen Bereichen der Hafenlogistik. Wir brauchen einen offenen Markt für Rangierdienstleistungen, in dem verschiedene Anbieter im Wettbewerb zueinander stehen und ihre Dienstleistungen differenzieren – über besseren Service, wettbewerbsfähige Preise, intelligente Lösungen. Und wir brauchen den freien Zugang zur Bahninfrastruktur, seien es Häfen, Terminals, Tankstellen, Rangierbahnhöfe oder Werkstätten.

Es ist noch ein weiter Weg bis zur Grünen Logistik, meine Damen und Herren. Der neue HTA Hupac Terminal of Antwerp ist nur ein Schritt von vielen, die für den Erfolg des Konzepts erforderlich sind. Ich bin zuversichtlich, dass wir gemeinsam viel erreichen können.

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