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Medien und News
Gemeinsam die Krise meistern

42. ordentlichen Generalversammlung der Hupac AG
Lugano, 29.5.2009

 

Dr. Hans-Jörg Bertschi, Präsident des Verwaltungsrats

2008 war ein schwieriges Jahr – für Hupac, den kombinierten Verkehr und die Logistikbranche insgesamt. Zu Beginn des Jahres ist Hupac sehr gut mit zweistelligen Zuwachsraten gestartet. Bereits im zweiten Quartal kühlte sich die Nachfrage ab und machte eine Anpassung der Kapazitäten erforderlich. Im Verlauf der zweiten Jahreshälfte wurden die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Realwirtschaft immer deutlicher. Im letzten Quartal brach der Güterverkehr branchenübergreifend ein und zog auch die Verkehrsentwicklung der Hupac tief ins Minus. Am Jahresende blieb nur noch ein kleines Wachstum von 1,8% übrig. Insgesamt beförderte Hupac 702.308 Strassensendungen auf der Schiene – ein neuer, wenn auch knapper Rekord.

Angesichts des Konjunkturabschwungs ergriff Hupac rasch Massnahmen, um das Unternehmen trotz schwieriger Rahmenbedingungen zu einem akzeptablen Ergebnis zu führen. Im Vordergrund stand die Anpassung der Kapazität an die drastisch gesunkene Nachfrage. Das Verkehrsangebot für 2008 war für beträchtlich höhere Volumen ausgelegt worden und musste in mehreren Etappen zurückgefahren werden, um wirtschaftlich tragbare Zugauslastungen zu erreichen. Durch Neustrukturierungen und Gateway-Lösungen konnte das Netzwerk in allen wichtigen Märkten aufrechterhalten werden.

Hupac glaubt trotz Krise ungebrochen an die Zukunft des kombinierten Verkehrs. Deshalb haben wir 2008 CHF 73,5 Millionen in dessen Ausbau investiert. Die eigene Wagenflotte wurde vergrössert, der wichtigste Terminal Busto Arsizio-Gallarate modernisiert und der Ausbau neuer Terminalkapazitäten in Angriff genommen. Im September begannen die Bauarbeiten für die Errichtung des HTA Hupac Terminal Antwerp. Im Oktober beteiligte sich Hupac an der Gründung des Joint Ventures Combinant, dessen Zweck der Bau eines weiteren Terminals im Hafengebiet von Antwerpen ist. Damit hat Hupac wichtige Weichen für ihre Zukunft im rasch wachsenden Benelux-Markt gestellt.

Die Verschärfung der Rezession im laufenden Jahr machte weitere Massnahmen unumgänglich, so etwa die Reduktion des Mietwagenbestands und die Aufschiebung eines Teils der geplanten Investitionen in Rollmaterial und Infrastruktur. In einigen Bereichen wurde auch Kurzarbeit eingeführt. Ich bin beeindruckt, wie professionell und engagiert das Hupac-Team unter diesen schwierigen Bedingungen handelt und danke allen Mitarbeitenden dafür.

Krisen meistert man am besten, indem man ihnen zuvorkommt, erkannte bereits der amerikanische Ökonom Walt W. Rostow. Hupac hat frühzeitig damit angefangen: durch nachhaltiges Wirtschaften, kontinuierliche Investitionen und den Aufbau einer soliden Basis.

Die Dynamik der gegenwärtigen Krise erfordert jedoch einen wesentlich weiteren Blickwinkel. Die in der Nachkriegszeit einmalige, massive Schrumpfung des internationalen Güteraustauschs in Europa um über 20% quer durch alle Sparten wirkt sich für den kombinierten Verkehr besonders gravierend aus. Sinkende Volumen führen dazu, dass die Operateure ungenügend ausgelastete Verbindungen wegen der hohen Fixkosten aufgeben müssen. Die Folgen sind absehbar: Das in Jahrzehnten aufgebaute europäische Kombi-Netzwerk wird ausgedünnt, im Domino-Effekt wandern weitere Verkehre auf die Strasse ab, und noch mehr Verbindungen müssen eingestellt werden – ein Szenario, das nicht nur Hupac, sondern den gesamten kombinierten Verkehr in Europa bedroht.

Dieser Entwicklung zuvorzukommen ist heute eine dringende Aufgabe der Verkehrspolitik. Um zu verhindern, dass die gegenwärtige Krise das System des kombinierten Verkehrs irreparabel schädigt und den Verlagerungsprozess um Jahre zurückwirft, ist ein koordiniertes Vorgehen aller Partner der Transportkette und der öffentlichen Institutionen erforderlich.

Der Preisdruck der Industrie, der über die Transportunternehmen an die Kombi-Operateure weitergegeben wird, macht eine angemessene Tarifpolitik seitens der Bahnen erforderlich, zumal die Strasse durch die grossen Überkapazitäten an Laderaum einem massiven Wettbewerbsdruck ausgesetzt ist. Dies ist nicht der richtige Moment für Preiserhöhungen seitens der Bahnen.

Wir stellen dagegen mit Befriedigung fest, dass sich einzelne Bahnen angesichts der Rezession partnerschaftlich für den Erhalt des Kombi-Netzwerks einsetzen. Und wir sind zuversichtlich, dass die Institutionen in der Schweiz, der EU und den einzelnen europäischen Ländern rasch Lösungen finden werden, damit der kombinierte Verkehr diese schwierige Phase überbrücken kann.

Neben grossen Herausforderungen birgt das laufende Jahr auch neue Chancen. Diese nutzen wir aktiv, um unsere Position als einer der führenden Kombi-Operateure Europas zu behaupten. Zu Beginn des Jahres konnte Hupac eine Verbindung zwischen Taulov und Verona ins Shuttle Net integrieren. Im März weihten wir neue Verbindungen nach Spanien und Portugal ein. Weitere Verbindungen sind in Planung, sowohl auf der Nord-Süd- als auch auf der Ost-West-Achse. Mit diesen Produktinnovationen unterstreicht Hupac ihre Absicht, das Netzwerk trotz Krise in enger Zusammenarbeit mit ihren Kunden auszubauen und systematisch den Anforderungen der Logistik anzupassen.

Das Ende der Wirtschaftskrise erwarte ich nicht vor 2010. Das ganze Jahr 2009 wird für Hupac und ihre Mitarbeitenden eine grosse Herausforderung bleiben. Dies ist aber auch eine hervorragende Gelegenheit, um zentrale Unternehmensprozesse neu zu gestalten. Hupac will die Krise nutzen, um Ballast abzuwerfen und um noch flexibler, schneller und kundenorientierter zu werden. Wir wollen uns noch klarer auf unsere Wettbewerbsvorteile – europaweite Vernetzung, Sicherheit, Zuverlässigkeit – fokussieren, um dem Markt noch grösseren Mehrwert zu bieten. Wir sind überzeugt, mit dieser Strategie gestärkt aus der Krise hervorzugehen.

An dieser Stelle möchte ich den Mitarbeitenden der Hupac Gruppe, den Kunden, den Aktionären, Geschäftspartnern und Institutionen herzlich für ihr Vertrauen danken. Gemeinsam bauen wir das System des kombinierten Verkehrs aus und schaffen dadurch einen Mehrwert für die Wirtschaft, die Umwelt und die Gesellschaft. Zu dieser Verpflichtung stehen.